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Langdistanzler lassen sich nicht unterkriegen

Langdistanzler lassen sich nicht unterkriegen

Trotz Hitze und Gewitter zum Ironman-Finish

Bei dem einen Temperaturen von 38 Grad Celsius, bei der anderen ein Gewitter, das die Athleten an den Rand der Unterkühlung brachte. Beste Voraussetzungen hatten weder der Debütant Holger Horn-Angsmann noch Susanne Hämmerling bei ihren diesjährigen Ironman-Rennen (3,8 Kilometer Schwimmen - 180 Kilometer Radfahren - 42,2 Kilometer Laufen) in Frankfurt und Klagenfurt. Doch durchgezogen haben es beide Triathleten aus Ahlen.

Einen Zweifel daran hatte Susanne Hämmerling nie. Bis zum Gewitter, das die Ahlenerin bei Kilometer 150 auf dem Rad traf, lief ihr Rennen beim Ironman in Kärnten wie geschmiert. Die 3,8 Kilometer lange Schwimmstrecke im 26 Grad warmen Wörthersee war zwar geprägt von vielen Überholmanövern, dennoch kam die Ahlenerin nach 1:18:44 Stunden mit einer zufriedenstellenden Zeit aus dem Wasser. Auch auf dem Rad gab es keine weiteren Schwierigkeiten, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als sich der Himmel schwarz verfärbte. „Ich war so froh, dass ich Rosi dabei hatte“, freute sich die Ahlenerin, dass sie sich für das Rennen in den Bergen rund um Klagenfurt für ihr Rennrad statt für das Triathlonrad entschieden hatte. Scheibenbremsen und die komfortableren 25 Millimeter breiten Reifen vermittelten mehr Sicherheit auf den Abfahrten. Die Hände vom Lenker zu nehmen, um sich zwischenzeitlich zu verpflegen, war trotzdem keine Option. Zu gefährlich waren die Windböen, die den Athleten schwer zu schaffen machten. Nach 6:15:27 Stunden Radzeit hatte Hämmerling es jedoch geschafft und kam im Wechselzelt an. „Überall waren Athleten mit Rettungsdecken und Rettungsassistenten“, erzählt Hämmerling, die den Kälteeinbruch vergleichsweise glimpflich überstand und sich mit frischen und trockenen Klamotten an den Marathon wagte. Das Wetter war inzwischen wieder aufgeklart und so lief Hämmerling beherzt los. Bei Kilometer zwölf jedoch machten sich die Spätfolgen des Gewitters und der verminderten Nahrungsaufnahme bemerkbar. Krämpfe in den Oberschenkeln ließen sie die nächsten Kilometer mehr wandernd als laufend absolvieren. „Ich habe nie ans Aufhören gedacht, sondern nur daran, dass der Tag nun wohl etwas länger wird“, sagte sie nach dem Rennen. In dieses kämpfte sie sich nach der Hälfte der Laufstrecke eindrucksvoll zurück. So konnte sie sich bei Kilometer 39 mit einem „Bier mit Schuss“ und nach insgesamt 13:07:31 Stunden mit einem stimmungsvollen Zieleinlauf belohnen, den auch zahlreiche ASC-Kollegen zu Hause per Livestream mitverfolgen konnten.

Als wäre nichts gewesen - so sah der Zieleinlauf bei Holger Horn-Angsmann aus. Der Ahlener hüpfte über den roten Teppich vor dem Frankfurter Römer und ballte die Fäuste. als hätte er gerade nicht einen über 14 Stunden dauernden Wettkampf in brütender Hitze absolviert. Dabei hat der Rookie mehr als einmal ans Aufhören gedacht - das erste Mal, als eine Woche vor dem Wettkampf sein Zeitfahrrad zu Bruch ging. Die Wettervorhersage und das Neoprenverbot waren zwei weitere Gründe, warum Horn-Angsmann an sich zu zweifeln begann. Doch ein geliehenes Zeitfahrrad und viele Chat- und Videonachrichten bauten ihn wieder auf. „Wenigstens versuchen“, war sein Credo.

Ohne Neoprenanzug, der dem Ahlener im Wasser etwas Auftrieb verschafft hätte, und trotz erster Muskelkrämpfe absolvierte er die Schwimmstrecke im Langener Waldsee in zufriedenstellenden 1:39:37 Stunden. Auch das Radfahren begann vielversprechend. „Ich hatte die volle Tempokontrolle“, sagte der Ahlener. Doch die aufkommende Hitze und die 1500 Höhenmeter forderten ihren Tribut. Der letzte steile Anstieg vor Frankfurt ließ erste Ausstiegsgedanken aufkommen: „Wenigstens noch bis zur Wechselzone 2 durchhalten und dann irgendwo einen Schattenplatz, eine kalte Dusche, ein Bier und fertig.“ Doch ans Aufhören war nach 7:14:12 Stunden Radzeit nicht mehr zu denken, als er die frenetisch jubelnde Familie, Nachbarn und Trainingskollegen erblickte, die bereits über neun Stunden in der tropischen Hitze an der Strecke ausgeharrt hatten. So sammelte der Athlet im Trikot des ASC Ahlen trotz Krämpfen in beiden Beinen Kilometer um Kilometer sowie die vier Rundenbändchen. Immer wieder nutzte er die Verpflegungspunkte, um sich herunterzukühlen und sich weiter zu verpflegen. Zudem holte er regelmäßig einen neuen Zwischenstand ein, wusste er doch, dass die Zielschlusszeit von 15 Stunden immer näher rückte. Das jedoch tat auch das Ziel, wo Familie, Nachbarn und Freunde warteten, um ihren Ironman abzuklatschen. „Nicht allein der Zieldurchlauf war für die Ewigkeit, auch die megamäßige Unterstützung auch im heimischen Ahlen haben sich für immer eingebrannt, so wie die Sonne auf meinen Rücken“, resümiert Holger Horn-Angsmann einige Tage nach seinem ersten Ironman, den er in 14:33:40 Stunden finishte.